tmvp On Dezember - 8 - 2011

Was mit Invasoren aus Videospielen begann…
Dann spielte man zeitweise russische Weltkultureinflüsse nach während anderswo das Rad neu erfunden wurde.
Schließlich (an-)erkannten auch nichtquadratige Künstler die Gabionen-Wand an der Westfalenstraße als Ort der „non-verbalen Kommunikation”.

Mit der Nutzung der Gabionen an der Westfalenstraße für das Crescendo der Guerilla-Kampagne „Bunte Fahrräder” des Herrn Siegfried Peterburs (Ehre, wem Ehre gebührt.) zur Promotion des PanoramaRadWeges wurde dieser Ort seitens zumindest „der Verwaltung nahestehender Personen” auf eine neue Ebene der Akzeptanz für StreetArt-Installationen überantwortet.

Herausgefordert mühten sich darauf quadratische Akteure um eine „non-verbale Antwort” auf die Re-Occupation durch die exekutiv bürokratische Administration eines vormals von subversiv anarchistischen Kulturpiraten occupierten öffentlichen Raumes.

konspirative Vorbereitungen

Die Akteure entschieden sich dafür, jene durch die Fahrradinstallation vorgegebenen Gestaltungsregeln zu akzeptieren, sie zu adaptieren, zu kommentieren und vor allen Dingen zu erweitern.
Dies gilt für die gestalterischen Level der Farb(ne-)nutzung und der Objektbeschaffenheit ebenso wie für abstraktere Bedeutungsebenen im Bezug auf den Werberelevanten Hintergrund der Fahrradinstallation und die damit verbundenen, in den Augen der Akteure kommentarwürdigen, Komplikationen.

Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Installation

„PanoramaRadWeg”

Fünf Paar Schuhe. Zwei Pumps und zwei Pantoffeln. Inliner, Skateboard und zwei Gehstöcke.
(Nicht auf dem Bild weil nur in der Phantasie der Akteure: ein Rollator und zwei Rollstühle)

An’lehte man sich in der formalen Farbgebung noch dem Vorbild, so verweigerte man doch die olympionique Rasterformation.
Wäre nicht die eigene und die der Aktion innewohnende Abneigung gegen starr vorgegebene Ordnungsprinzipien zugunsten einer künstlerisch intuitiven Anordnung der Dinge alleine Grund genug, Coubertins Rasterentwurf zu verschmähen — so ist es doch spätestens der Glaube an die Unvereinbarkeit von unanpassungsfähigen Struktur- und Denkrastern und menschlicher Gesellschaftsentwicklung.
Zuoben’drein ist die scheinbar willkürliche Anordnung der Einzelobjekte als eine Allegorie auf das zuweilen konfliktschürende weil ebenfalls ungeordnete Nutzungsverhalten auf dem PanoramaRadWeg anzusehen.
Ein Nutzungsverhalten, dass sich eben nicht wie versucht propagiert einzig aus der bicycluären Mobilität speist. Die Formen der Fortbewegung sind weitaus Vielfältiger, als von planerischer Seite kolportiert.

Und all diese unterschiedlichen Formen individuellen Fortkommens benötigen unterschiedliche – im schlimmsten Fall gegenseitig konträre – Rahmenbedingungen für eine optimale Implementierung in den ganz persönlichen Modal Split.

Vielleicht (und ganz bestimmt!) überschätzt man aktuelle Debatten und den ein oder anderen FauxPas.
Und gaaanz bestimmt hat man in der Kommunikationsabteilung der verantwortlichen Planer, Lenker und Leiter™ bei der Strategieentwicklung alleerhöchstens durch unbeabsichtigte Unachtsamkeit den Fokus in der Außenrepräsentation dieses Stadtentwicklungsprojektes (für manche fühlbar) ein wenig ZU sehr auf das „Fahrradparadies Heiligenhaus” gelenkt.

Doch ist es nicht — als zustimmend-unterstutzende Konstruktiv-Kritik — zumindest für die klische-oppositionelle Erwartungshaltung erforderlich, in bohémistisch-bigotter Art auf „die vergessenen™ Minoritäten” hinzuweisen?
In Tradition eines „nur wir alle gemeinsam sind Alle™”–Gedankens der bescheidene Hinweis darauf, das bei Alle eben auch niemand außer Acht gelassen werden sollte, darf, kann.

Sollte die sprach implementierte Diskriminierung großer Teile der Be- und MitNutzer dieser lokalen Verkehrsader, welche im Wort „PanoramaRadWeg” steckt, nicht zumindest einmal in einem gemeinsamen Diskurs be- und  überdacht werden können, dürfen und müssen?

Dies als augenzwinkernder aber dennoch unnötiger Stich in die sonst allgemeine Lobpreisung der mittelfristigen Entwicklung der Stadt Heiligenhaus in der Gegenwart und der orakelten Zukunft.

Denn auch wenn anecken wollenden Quadraten manchereins perniziöse Tendenzen unterstellt, angedichtet und missverstanden werden – so kann man dererseits ob der Euphorie aufgrund dieser unterschwelligen Geste gegenseitiger Akzeptanz (und aus sich empörender Sicht sicherlich auch bedingendes Axiom) doch eigentlich nur noch voller Zuneigung die Hände zu einer, ja vielleicht sogar einer Umarmung (!?) erheben.

Der stetige, unermüdliche, unerschütterliche Aktivismus (andere sagen: Aktionismus) (wieder andere: Situationismus) einiger wenige Aktivisten und Aktioneusen scheint — ob in gutmenschlicher Blindheit eingebildet oder nicht sei dahingestellt und ohne Belang — graswurzelig langsam aber an, von sensibilisierten Augen durchaus  erblickbaren,  Verkrustungen aufbrechenden, zarten (Kultur-)Pflänzchen heuer deutlich  zu erkennenden Entwicklungen tatsächlich eine nachhaltig Wirkung zu entfalten.

Dass die Ausbreitung der Wahrnehmung einer künstlerischen Aussage (in den öffentlichen Raum hinein) auf breitere Bevölkerungsschichten erfahrungsgemäß nur träge und Multiplikatoren abhängig voranschreitet, sollte Allen™ Beteiligten an dieser gemeinsamen „non-verbalen Kommunikation” bewusst und mit langem Atem, gegenseitigem Respekt und hoher Toleranzgrenze erduldet werden.

Doch der sanft unterschwellig spürbare Zuspruch der kunst- und inspirationsimpulszugänglichen Nürgerinnen und Nürger (sic!), in hoffnungsvoller Gewissheit der durchweg größere Teil der uns’rigen Gesellschaft,  ist Indikator für die – durch (Sub- und Subversive)Kultur be- und angereicherte – gestigene „Wohn- und Verweilqualität” in der Kommune. Mit all den dadurch implizierten Konsequenzen.

Dies ist die größst möglich vorstellbare Motivation für einen jeden weltverbesserischenänderischen Kulturschaffenden.

Und sollte Ansporn zu weiteren „Korrespondenzen” sein…!?

Update: Einlassungen der hiesigen Lokalpresse zum Thema lesen sie HIER.

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