tmvp On Juli - 16 - 2013

Das Eine geht, Anderes kommt. Oder Umgekehrt.
Spuren hinterlassend, selbige andernorts entfernt.
Palichnologische Wegemarken.


Da die Hängenden Gärten schnell welkten, wagten wir einen weiteren Schritt – weit zurück…
Was sind antike Weltwunder, wenn wir Kultur seit 3,2 Millionen Jahren zu definieren versuchen!?
Es ist weniger die Kritik an der Namensgebung – ist der englische Freund nicht „Partner” genug, wertiger als nur Namenspatron einer profanen Abstellfläche für Mahnmale des Mobilitätswahnsinns zu werden – als vielmehr geo-metaphernde Assoziationsketten; auch nicht kommunale Migrationspolitik – wenngleich deutliche Worte dringend geboten wären – welche zu dieser künstlerischen Auseinandersetzung mit „Herkunft” mit einem sehr weiten Blick in die Geschichte von Kultur, Menschheit und Evolution führten.

Lucy in the Sky with diamonds ist eine metasyntaktische Variable der Populärkultur, die mehr beschreibt, als im Rückschluss auf narrative Interpretationen vielleicht zu erahnen ist.
Kaum ein Quartal nach Todestag eines beachtenswerten 102jährigen, der nicht nur auf ebendieses Stück Kulturgeschichte aufgrund eines Sorgenkindes erheblichen Einfluss hatte, konnektiert der Titel dieser StreetArt-Aktion ein weiteres Meme.

Lucy ist vielleicht der weiteste Blick, den wir Menschheit überhaupt zurück zu unseren eigenen Ursprüngen werfen können.
Aus der Wiege der Menschheit entspringt ein Kind und definiert damit den Australopithecus afarensis. Und die psychedelischen Anspielung einer Liverpooler Musik-Combo werden posthum zum Namensgeber.
Kann es eine größere Hybris geben, als 3,5 Millionen Jahre homininider Entwicklung mit einer „Alice im Wunderland”-Inspiration eines Hippie-Märtyrers gleich zu setzen?
Und dürfen wir uns dann nicht selbiger (Hybris) bedienen und einen kreativen AdHoc-Kommentar zu einer latent schwelend aufkommenden Unruhe in postmodernen Kommunikationsplattformen mit einer völlig aus der Luft gegriffenen Kausalität zu überspitzen?
Wir denken Ja!
Denn es hat Tradition. Eine Lange.
Lang wie ein gelbes Band, das den Frühling durch die Stadt führt.
Spuren, Abdrücke… interpretationsfähige Richtungweisen. Ist der Palichnologe nicht kognitiv dem Kunstbetrachter ähnlich?
Wie sicher kann man sich der Interpretation sein, wenn weder Korrelation noch Kausalität erkannt werden (können)?
Und wie interpretiert man das Fieber des Stadtplaners?

Palichnologie als Sinnbild.
Ein genaues Hinschauen. Ein erkennen und interpretieren seiner Umwelt. Sensibilisierung für Spuren.
Welche postmodernen Kulturtechniken haben uns so sehr von unseren homininiden Vorfahren entfremdet, dass wir dem „Errectus” selbst in der Mobilität, wie absurd, präferierend sitzend nachkommen.

Mäandert das Kind, die Idee, der Samen, noch wie ein Satellit um die Spuren der Lebengebenden herum – kennt weder Begrenzug noch Gefahr, weder Gradlinigkeit noch Überblick – kann doch Plötzliches „aus der Bahn werfen” und dasselbe Schicksal erleiden lassen wie es dereinst Lucy tat. Tot, Vergessen, viele Millionen Jahre lang.

Ist es aber Aufgabe der Lebensgeber, schützende und helfende Hand zugleich zu sein? Unmögliches erbringen und unsere Ideen vor dem bewahren, dessen wir sie dann doch ursächlich aussetzen?
Wer trägt Verantwortung für die Gezeiten von Tod und Erneuerung? Wer hinterlässt bleibende Spuren – und wer kann später in diese hineintreten?
Und wem obliegt dieses Urteil?
Die Zeit?

Sichtbarmachung von Geschichten, Dagewesenem und Fiktivem ist Stärke von künstlerischer Herangehensweise – auch wenn es kognitive Hürden sowohl in der eigenen wahrnehmungsgeprägten Sozialisation als auch in der perspektiv- und blickwinkeljustierten Sichtweise der Kulturschaffenden selbst zu überwinden gilt.
Das Spiel mit dem Rezipienten – das Zulassen von Wegweisern, Interpretationshilfen und Falschaussagen – ist künstlerische Disziplin und bedarf ebendieser.
Re- bedingt sich durch Aktion. Ein Dialog, in den wir ungebeten und ungefragt eingetreten sind.
Wieder einmal.
Diesmal nur an anderer, neuer Stelle.

Hier stellt sich allerdings abermals die Frage nach „Rechtmäßigkeit von Benutzung” erneut. Beziehungsweise die Frage nach Hinnahme des vermeintlichen Narrativs.
„Reclaim your City” bedeutet in seiner anarchistischen Konsequenz eben auch die intuitive Nutzung von Gegebenheiten durch problemlösungsorientiertes Handeln.
Ist in sofern vielleicht gar die planerische Intelligenz nicht von faktisch und offenkundig bis zur Inkohärentz inkongruenten Verhaltensmuster falsch diagnostizierter Anwender aus gegangen?

Man weiß es nicht…

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One Response to " Lucy "

  1. Ming sagt:

    Hier noch die Link zur paläontologischen Fundstelle der Fußspuren von Laetoli in Tansania. http://de.wikipedia.org/wiki/Laetoli und http://www.faithpages.faithweb.com/evolution.htm oder http://www.modernhumanorigins.net/laetolifoot.html. Außerdem verweise ich auf einen Artikel im Bonner Generalanzeiger http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/wissenschaft/Fussspuren-kehren-nach-Afrika-zurueck-article122205.html?&i=1.

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