Ming On Dezember - 18 - 2013

Der Fähigkeit des Fliegens war, bis zu den Erfindungen von Fluggeräten unserer Tage, nur den geflügelten Tieren vorbehalten.
Die Menschen aber projizierten den Traum vom Fliegen auf mythische Wesen, Göttern und Engeln.


Kaum eine Hochkultur von Ost bis West, die keine geflügelten Wesen kennen. Schon vor Engeln waren uns Gottheiten bekannt, die mit Flügeln ausgestattet waren.
Hermes, der Bote der griechischen Götter, die sumerische Gottheiten Inanna und Enlil wurden so als Himmelsgottheiten erkenntlich gemacht. Im alten Ägypten konnte die Uräus-Schlange fliegen und wurde oft mit Flügeln dargestellt. Im Hinduismus trägt der geflügelte Garuda die Schöpfergottheit Vishnu. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzten.

Gerade zu Weihnachtszeit erinnern wir uns an den Engeln, die als Boten Gottes die Schwangerschaft Marias oder die Geburt Jesu den Hirten überbrachten (Engel lat. angelus, von gr. ángelos „Bote“).
Ja, selbst das Christkind mutiert selber zu einem Engel in weiblicher Gestalt, wie beispielsweise das Nürnberger Christkindl. In den Engeldarstellungen wurde immer wieder das Motiv der himmlischen Boten aufgegriffen.

Mal kitschig-süßlich Verklärt fürs Poesiealbum oder den heimischen Herrgottswinkel, mal als wunderbare androgyne Engelsgestalten in der Kunst beispielsweise von Leonardo da Vinci.
Vor allem im Barock wurden die Engel mit der Anatomie nackter männlicher Kleinkinder dargestellt. Ob die barocken Putten einen pädoerotischen Hintergrund haben (von lat. putus, Knäblein) lasse ich dahin gestellt. Die berühmtesten sind wohl die von Raffael. Sind die Putten dann noch mit Pfeil und Bogen bewaffnet, handelt es sich bei diesen Darstellungen um die barocke Form des mythologischen Liebesgottes Amor.

In wenigen Überlieferungen war es auch den Menschen gelungen, sich mittels Flügel in die Lüfte zu erheben. In der Legende um Dädalus und Ikarus ist die Flucht von der Insel Kreta zur Allegorie über den Übermut geworden. Ikarus flog immer höher, trotz der Warnung des Vaters Dädalus, der Sonne entgegen. Daraufhin schmolz das Wachs, das die die Federn zu den Flügeln verband. Die Flügel lösten sich auf und Ikarus stürzte in die Tiefe. Leonardo da Vinci war einer der ersten, die versuchten, nach intensiven Studien von Vogelschwingen, Fluggeräte für den Menschen zu bauen. Aber erst Otto Lilienthal konnte sich als erster Mensch mit seinem Gleitflieger vom Boden abheben.

In der Installation „Geflügelte“ an den Gabionen der Westfalenstrasse in Heiligenhaus, finden wir einige der beschriebenen Aspekte wieder.
Wir finden kleine Flügel von Putten wieder oder könnten es doch die Flügel des Helms von Hermes dem Götterboten sein? Die ausgebreiteten Schwingen könnten die eines fliegenden Engels sein oder aber auch zu Garuda passen. Die zerzausten Flügel ganz Rechst sind die eines gefallenen Engels oder von Ikarus.

Vor allem aber sind es Flügel für jeden für uns, indem in jedem Menschen etwas von einem Engel enthalten sein kann.

Suchen Sie sich ein Flügelpaar aus, stellen sich davor und lassen ein Foto von sich machen.
Und schon wird ein wenig von der Engelsnatur sichtbar.

Diese Installation ist der Auftakt zur einer kleinen Reihe zum Thema Flügel im nächsten Jahr.
Hierzu haben sich die Künstler von Kunstquadrat schon einiges überlegt. Lassen Sie sich überraschen.
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